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One Word Coaching: Wenn ein Wort mehr sagt als tausend Phrasen

Aktualisiert: 16. Juli

In vielen Trainingssituationen beobachte ich immer wieder das Gleiche: Coaches, die gebetsmühlenartig Phrasen wie „tiefer!“, „schneller!“, „mehr Spannung!“ rufen – in der Hoffnung, dass der Körper der Athlet:innen unmittelbar reagiert. Doch allzu oft bleibt die gewünschte Wirkung aus. Die Bewegungen verändern sich kaum oder nur oberflächlich, der Ausdruck bleibt vage. Warum? Weil das Gefühl fehlt. Die Worte bleiben abstrakt, nicht verankert. Genau hier setzt das Konzept des One Word Coachings an.


Was ist One Word Coaching?

One Word Coaching ist ein sprachlich-reduziertes, aber bedeutungstiefes Coachingprinzip. Statt langer Anweisungen oder wiederholter Phrasen wird ein einzelnes, emotional und körperlich aufgeladenes Wort verwendet, das bei der Athlet:in ein gespeichertes Bewegungserlebnis oder Gefühl hervorruft.

Beispiele:


  • Statt „tiefer in die Hüfte“: „Anker“

  • Statt „mehr Spannung im Abdruck“: „Katapult“

  • Statt „explosiver starten“: „Feuer“

Diese Worte wirken wie mentale Trigger. Sie aktivieren gespeicherte Körpererfahrungen und können unmittelbar zu einer Veränderung in der Bewegungsausführung führen – ohne erneute technische Erklärung.


Aber: Ohne Erlebnis kein One Word

So wirkungsvoll ein einzelnes Wort auch sein kann – es bleibt leer, solange keine konkrete Erfahrung dahinter steht. Jedes One Word muss mit einer gezielten Bewegungserfahrung, Übung oder Trainingseinheit verknüpft werden, in der die Athlet:innen das damit verbundene Gefühl erleben, verstehen und speichern können.


Das bedeutet:✅ Das Wort ist nicht die Methode – es ist das Ergebnis einer Methode.✅ Als Coach gestaltest du gezielte Situationen, in denen das Wort entsteht.✅ Erst wenn Athlet:innen die Relevanz spüren, kann das Wort funktionieren.

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Beispiele aus dem Fußball: One Word + Übung


1. One Word: „Rakete“ – explosiver Antritt

Übung: 1-gegen-1 Umschaltspiel aus Chaos-Start→ Spieler:innen starten nach Ballgewinn aus unklarer Orientierung (z. B. Rücken zum Spiel), mit maximalem Fokus auf schnellen Richtungswechsel. Coaching: Reflexion danach: „Wie hat sich das angefühlt, als du direkt los bist?“→ „Wie eine Rakete.“ Jetzt ist das Wort verankert.


2. One Word: „Panther“ – tiefer Stand, Körperspannung im Defensivverhalten

Übung: 1-gegen-1 mit gezielter Reiz-Reaktionsverzögerung (Angreifer wartet mit Antritt)→ Verteidiger:in muss tief, ruhig und reaktionsbereit bleiben. Coaching: Nach der Übung den Körperzustand bewusst machen: „Wie fühlt sich dein Körper in dieser Position an?“→ „Lauernd wie ein Panther.“ Dieses Bild ruft sofort das Gefühl ab – ohne weitere Erklärung.


3. One Word: „Wellen“ – ruhige Spielverlagerung

Übung: 4-gegen-2 mit Zeitdruckabschaltung: Das Ziel ist nicht sofortiger Erfolg, sondern fließende, geduldige Ballzirkulation. Coaching: Betonung auf Rhythmus & Kontrolle. Danach: „Wie fühlt sich das Spiel an, wenn es nicht erzwungen ist?“→ „Wie Wellen.“

Jetzt ist der mentale Anker für ruhige Spielführung gesetzt.

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Warum das funktioniert: Psychologische Fundierung


One Word Coaching ist mehr als kreative Sprache. Es basiert auf:

  • Embodied Cognition: Denken & Bewegung sind untrennbar – was wir körperlich erleben, speichern wir tief.

  • Ideo-Motorik: Die Vorstellung einer Bewegung (durch ein Wort) kann eine reale körperliche Reaktion auslösen.

  • Emotionales Gedächtnis: Was emotional bedeutsam ist, bleibt besser im Langzeitgedächtnis – und wird schneller abgerufen.

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Fazit: Worte, die man spürt

One Word Coaching funktioniert nur dann, wenn das Wort verkörpert wurde. Es braucht gezielte Übungen, in denen Athlet:innen die relevante Bewegung nicht nur machen, sondern verstehen und spüren. Erst dann wird das Wort zum mentalen Kurzschluss zwischen Technik, Taktik und Gefühl – abrufbar in Sekunden, wirksam unter Druck.

Wenn du möchtest, dass „tiefer“ wirklich ankommt – dann mach das Wort erlebbar. Finde mit deinen Spieler:innen das eine Wort, das sie nicht nur hören, sondern in sich tragen.



Quellen

Barsalou, L. W. (2008). Grounded cognition. Annual Review of Psychology, 59, 617–645. https://doi.org/10.1146/annurev.psych.59.103006.093639

Glenberg, A. M., & Kaschak, M. P. (2002). Grounding language in action. Psychonomic Bulletin & Review, 9(3), 558–565. https://doi.org/10.3758/BF03196313

LeDoux, J. E. (2000). Emotion circuits in the brain. Annual Review of Neuroscience, 23, 155–184. https://doi.org/10.1146/annurev.neuro.23.1.155

Masters, R. S. W. (1992). Knowledge, knerves and know-how: The role of explicit versus implicit knowledge in the breakdown of a complex motor skill under pressure. British Journal of Psychology, 83(3), 343–358. https://doi.org/10.1111/j.2044-8295.1992.tb02446.x

Shin, Y. K., Proctor, R. W., & Capaldi, E. J. (2010). A review of contemporary ideomotor theory. Psychological Bulletin, 136(6), 943–974. https://doi.org/10.1037/a0020541




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