Was ist eigentlich „normales“ Verhalten?
- info249390
- 16. Juli
- 3 Min. Lesezeit
Ob in der Kabine, auf dem Spielfeld oder beim gemeinsamen Abendessen nach dem Spiel: Immer wieder hört man Sätze wie „Verhalt dich mal normal!“ oder „Das ist bei uns ganz normal“. Aber was heißt das eigentlich – normal?
Ist es das, was die Mehrheit macht? Oder das, was der Trainer erwartet? Oder was im Verein schon immer so war?
Um diese Frage besser zu verstehen, lohnt sich ein kurzer Blick in die Statistik. Klingt trocken ist aber ziemlich hilfreich, auch für den Sportalltag.
Die Normalverteilung: Die „Glocke“ des Verhaltens
Stellt euch eine große Glockenkurve vor. Sie zeigt, wie häufig bestimmte Verhaltensweisen in einer Gruppe oder der Gesellschaft vorkommen. In der Mitte dieser Glocke liegt der sogenannte Durchschnitt – also das, was die meisten machen. Dieses Verhalten nennt man „normal“.
Je weiter man sich von der Mitte entfernt, desto seltener wird ein Verhalten – auf beiden Seiten. Ganz links und ganz rechts liegen die „Ausreißer“ – also Verhalten, das stark vom Üblichen abweicht.
Beispiel aus dem Training:In einer Fußballmannschaft ist es vielleicht ganz normal, dass man sich gegenseitig anfeuert und aufbaut. Kleinigkeiten feiert und sich bei guten Aktionen abklatscht. Dabei kann die Gute Aktion auch ein toller Pass, guter Schussversuch oder eine gehaltener Schuss sein. Wer das regelmäßig tut, liegt in der Mitte der Kurve. Ein Spieler, der ständig kritisiert oder sich komplett heraushält, fällt aus dem Rahmen – er liegt am Rand der Kurve. Heißt nicht, dass er schlecht ist. Aber er entspricht nicht der Teamnorm.
Vielleicht wäre dieser Spieler in einer Mannschaft, die lediglich die offensichtlichen Ergebnisbringenden in einer anderen Mannschaft aber weniger auffällig. Stelle man sich ein Team B vor, in dem man für Tore gelobt wird, vielleicht noch der gehaltene Elfmeter ein lobendes Event darstellt. Auf der negativen Seite sind verschossene Großchancen oder das kassierte Tor ein Grund für sanktionierende Kommentare. Unser Spieler würde hier eher der Teamnorm entsprechen, weniger auffallen und sich insgesamt wohler fühlen.

Teamnormen – der unsichtbare Kodex
Jedes Team hat – oft unausgesprochene – Regeln, wie man sich verhält. Man merkt schnell: Wie wird miteinander gesprochen? Was ist im Umgang mit Fehlern üblich? Wie emotional geht es zu? Wie gestalten wir Lernprozesse? Und wie viel kauen Trainer:innen vor?
Diese „Normen“ entstehen im Laufe der Zeit – durch Erfahrung, Vorbilder, Trainer:innen, aber auch durch die Kultur des Vereins. Wer sich innerhalb dieser Normen bewegt, wird oft als „Teamplayer“ wahrgenommen. Wer stark abweicht, kann Reibung erzeugen – manchmal positiv, manchmal negativ.
Normal heißt nicht automatisch gut – und anders nicht schlecht
Wichtig ist: Die Mitte der Kurve ist nicht automatisch das Beste. „Normal“ bedeutet nur: So verhält sich die Mehrheit. Aber manchmal braucht es eben genau die, die anders sind:
Die besonders emotional sind, wenn andere ruhig bleiben.
Die neue Wege vorschlagen, wenn andere im Gewohnten verharren.
Die unbequem fragen, wenn alle nicken.
Starke Teams wissen das. Sie nutzen die Kraft der Gemeinschaft – und lassen gleichzeitig Raum für Individualität.
Fazit: Die Balance macht’s
Als Trainer:in oder Spieler:in ist es wichtig, ein Gespür für die Teamnormen zu entwickeln:
Was ist bei uns üblich? Wo weicht jemand ab – und warum? Wie können wir Unterschiede produktiv nutzen?
Denn am Ende gilt: Ein Team ist keine Kopie von Einzelnen – sondern ein Zusammenspiel von Verschiedenen.
Quellen:
Carron, A. V. & Eys, M. A. (2012). Group Dynamics in Sport
Cohen, R. J. & Swerdlik, M. E. (2017). Psychological Testing and Assessment
Weinberg, R. S. & Gould, D. (2018). Foundations of Sport and Exercise Psychology
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